Lebensqualität für unsere Stadt  ->  der grünewald-hain

Am Totensonntag 1998 trafen sich Vorstand, ehemalige Vorstandsmitglieder, Vertreter der politischen und kirchlichen Gemeinde sowie intressierte Bürger aus Rhoden auf dem ehem. Friedhof von Alt Rhoden um dem Gründer Rektor und Pfarrer Theodor Grünewald und verstorbenen Mitglieder des Verkehrs - und Verschönerungsvereins zu gedenken. Die Laudatio hielt der Geschäftsführer, die auszugsweise hier wiedergegeben werden soll.


 

Der Grünewald-Hain

 

Die ganze Schöpfung ist die Schönschrift Gottes und
in seiner Schrift gibt es nicht ein sinnloses Zeichen.
(Ernesto Cardenal)



Sehr verehrte Anwesende,

ich begrüße Sie im Namen des Vorstandes des Verkehrs- und Verschönerungsvereines Rhoden e.V. auf das herzlichste.

Sie werden sich wundern, warum wir gerade diesen Termin ausgesucht haben. Heute ist Totensonntag, und das Kirchenjahr endet mit Abschluß dieser Woche. Nicht nur, daß man an diesem Tag der eigenen Verstorbenen gedenkt, sondern wir denken heute auch an einen vor 55 Jahren Verstorbenen, der im Jahr 1943 hier seine letzte Ruhestätte fand, auf dem Friedhof von Alt-Rhoden. Wir wollen heute Herrn Pfr. Grünewald als Gründer unseres Vereins gedenken, der den Grundstein für den heutigen Verkehrs und Verschönerungsverein gelegt hat. Herr Pfr. Grünewald war der Architekt und Baumeister für das heutige Vereinsgeschehen.

Grünewald gilt als ein Pionier der Waldecker, insbesondere der Rhodener Heimatforschung und des Naturraumes. Sein Lebensweg und seine Gedankenwelt lassen sich in seinen Aufzeichnungen zurückverfolgen, die im Archiv des Waldeckischen Geschichtsvereins aufbewahrt werden. Vielleicht kann man sein Wirken innerhalb der Gesellschaft in dem nachfolgenden Zitat wiederfinden.

„Wir brauchen das grüne Gewissen und die Verantwortung für das Ganze und die Sicht für die Zukunft“.
Altbundespräsidenten Dr. H. Lübke, im Jahr 1962


Persönliche Daten

Theodor Grünewald wurde als Kind einer Waldecker Lehrersfamilie (Großeltern stammten aus Arolsen) am 15.11. 1865 in Lüneburg , in Niedersachsen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Lüneburg und ging dann zur Alten Landesschule nach Korbach. Nach dem Abitur studierte er in Tübingen, Göttingen und Halle Theologie. Seine Lebensaufgabe fand er in Rhoden, wo er von 1891 bis 1925 wirkte. Von 1925 bis zu seinem Tode zog Pfr. Grünewald zu seiner Tochter nach Remscheid. Dem Waldecker Land blieb er stets verbunden. Verbindungen zu Familien in Rhoden wurden bis zu seinem Tode aufrecht erhalten. Er wohnte als Bürger rd. 34 Jahre in seiner Wahlheimatstadt.

Im Jahr 1901 übertrug man Herrn Grünewald das Pfarramt, welches er bis 1924 inne hatte. Als 59 jähriger ließ sich Grünewald pensionieren. In Rhoden durchlebte er schwere Zeiten, als 1910 sein Sohn Wolrad (14 Jahre) und 1911 seine Frau Elisabeth (44 Jahre) verstarben. Sein Töchterchen Elisbeth wuchs unter der Mithilfe einer Haushälterin auf.

Von 1892 bis zur Übernahme der Pfarrstelle wirkte Grünewald als Vikar und Rektor in Rhoden. Theodor Grünewald verstarb im Alter von 78 Jahren ( 09.11.43) in Remscheid und wurde in Alt-Rhoden zur letzten Ruhe gebettet.
Hinter diesen kurzen Angaben verbirgt sich ein tätiges Leben, das viel Licht, aber auch tiefe Schatten gesehen hat.

Er war Seelsorger, Lebensformer, Schöngeist und Forscher in einer Person. In den vergangenen Jahrzehnten ist Theodor Grünewald leider etwas in Vergessenheit geraten. Es wäre gut, wenn man sich seiner Erkenntnisse, Bemühungen und Ideale gelegentlich erinnern würde.!!!!!


Versetzen wir uns in das Jahr 1898 zurück.

In einer Zeit, in der es weder Radio, Telefon noch elektr. Strom, Wasserleitung, Kanalisation, Müllabfuhr, Autos und Tageszeitung gab. Ich glaube wir könnten uns in diese Zeit nicht mehr zurückversetzen.

In diesem Jahrhundert begann in Rhoden die Verkoppelung (1912) an. Mit Sicherheit wurde dort um jeden qm guten Boden gerungen, weniger um den schlechten. Die Kirche hat sich in dieser Zeit sehr einsichtig, kooperativ und vorausschauend gezeigt - wenn man aus heutiger Sicht zurückblickt. Sie hat sich mit heutigen Feldholzinseln und weniger gutem Boden zufrieden gegeben. Ein Segen für die Gemarkung!

Viele Naturbiotope entstanden dank der Weitsichtigkeit der damaligen Kirchenvorsteher und nicht zuletzt des Pfarrers Grünewald (Pfr. Wilhelm Vesper war sein Vorgänger) in der Gemarkung. (Die Linden die heute Alt Rhoden umrahmen wurden in 1900 gepflanzt).

Diese vorausschauende Einsicht mag seinerzeit auch Voraussetzung gewesen sein in Rhoden einen Verschönerungsverein zu gründen. Wenn man zurückblickt auf die 60er Jahre, in der viele Maßnahmen unter dem Begriff,

„Unser Dorf soll schöner werden“

durchgeführt wurden, erkannte bereits seinerzeit Grünewald, daß in Rhoden ein weites Betätigungsfeld vorhanden ist. Grünewald wollte unter einer solchen Vereinigung die „Bürger und Christen“ von Rhoden mit einem gemeinsamen Ziel ansprechen, „die Landschaft und das Ortsbild für die zukünftigen Generationen zu verbessern unter dem Dach Gottes“.

In 1898 gründeten einige Männer den Verschönerungsverein und legten somit den Grundstock für das Jubiläumsjahr, in dem wir uns befinden.

Welche Zielvorgaben gab sich der Verein?

Der Verein stellte in seinen Statuten von 1898/1900 folgende Aufgaben in den Vordergrund:

1. Es sollen die Mittel des Vereines Verwendung finden

  • zur Aufschließung landschaftlich schöner Punkte,
  • zur Herstellung von Aussichtspunkten, zur Gang-
  • barmachung von Spazierwegen, zur Errichtung
  • schattiger Ruheplätze, Anlegung von Fischteichen

und dergleichen.

2. Es soll von seiten des Vereines versucht werden, Behörden und Verwaltung zur Verfolgung gleicher Ziele und Zwecke und zur Unterstützung der Vereinsbestrebungen zu gewinnen.

3. Es soll durch die Bestrebungen des Vereines der Schönheitssinn innerhalb der Bevölkerung geweckt werden.

Dieses waren die Ziele des Verschönerungsvereines von 1898/1900. Alles nachlesbar und festgehalten in den Statuten vom 28. Jan. 1900 anläßlich der zweiten Gründerversammlung. Diese Statuten wurden dem Fürstlichen Amtsgericht zu Arolsen zur Eintragung in das Vereinsregister vorgelegt.

Grünewald wirkte mehr als 25 Jahre aktiv im Vorstand mit, darunter mehr als 23 Jahre als deren Vorsitzender, bis ihn seine Krankheit an weiteren Aktivitäten hinderte.

Auf einige Stationen im Leben Grünewalds sollte eingegangen werden.

Grünewald als „Forscher“

Kraft und Ruhe fand Grünewald in der Natur. Er durchstreifte die Landschaft um Rhoden und entdeckte die rätselhaften Schanzen am Quast, mit denen er sich intensiv beschäftigte. Im Jahr 1900 setzte er sich mit dem bekannten Archäologen Dr. Carl Schuchhart aus Hannover zusammen, um die Geheimnisse um den Quast zu lüften, gemeint sei hiermit die Wallburg auf dem Gaulskopf. Diese Zusammenarbeit sollte ein Schlüsselerlebnis für Grünewalds Entwicklung zum Heimatforscher werden. Von 1919 bis 1925 konzentrierte sich Grünewald auf die Burgen- und Wüstungsforschung der näheren Umgebung und warb in Vorträgen vor Kollegen und Freunden um Mithilfe zur Heimatforschung. Er beschäftigte sich mit Rhodener Redensart, Flurbezeichnungen, Haus- und Grabinschriften und vielen Dingen mehr.

Grünewald als „Touren-Vater“

1902 gründete Grünewald eine Wanderbewegung „Ortsgruppe Rhoden“, er wurde zum Touren-Vater erkoren und führte mehr als 117 Wanderungen unterschiedlicher Länge und Dauer durch. Ansichtskarten die er vom Endziel nach Rhoden sandte belegen, daß er Wanderungen durch Waldeck, Nordhessen, Westfalen und Niedersachsen führte.

Grünewald als Förderer der Jugend

Kurz nach seinem Dienstantritt gründete Grünewald in Rhoden den „Jünglingsverein“ und versuchte, die Jugend an sich zu binden. Nach den Berichten verlebte er fröhliche Stunden in Feld und Flur und übermittelte den Heranwachsenden die Natur und Heimatpflege näher zu bringen. Ältere Mitbürger können sich noch an den Jünglingsverein erinnern.

Grünewald als Maler und Zeichner

Grünewald erstellte Federzeichnungen von seiner Heimat. Das bekannteste Bild dürfte die Rhodener-Straßenzene von 1897 darstellen. Im Mittelpunkt des Bildes befindet sich das gelblich verputzte Wohn- und Geschäftshaus der Familie Weber, im Hintergrund das Rhodener Schloß, und auf der Straße bewegen sich Menschen, die mit Eimern Wasser in ihre Wohnung tragen und Kinder, die Federvieh auf der Straße vor sich her treiben.

Nach der heutigen Betrachtungsweise würden wir Herrn Pfarrer Grünewald als einen „Allroundmenschen mit Visionen„ einstufen.

Ältere Mitbürger erinnern sich noch recht gut an Pfarrer Grünewald mit Hut und Lodenmantel (Rucksack). Sein Wirken wurde 1961 durch den Bau des Jugendheimes, welches seinen Namen trägt, durch die Kirchengemeinde Rhoden gewürdigt.

Wir wollen heute mit Zustimmung der politischen Gemeinde und der Kirchengemeinde als Eigentümerin des Grundstücks diesem vor ca 10 Jahren angepfl. Wäldchen den Namen

„Grünewald-Hain “

geben, und eine Gedenktafel möge die Besucher von Alt-Rhoden auf den Gründer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins hinweisen. Wir haben diesen Ort gewählt, weil er einen unmittelbaren Bezug zur Grabstätte bietet.



Zeit nach Grünewald

Von 1923 bis 1926 stand Forstmeister Neumann dem Verein vor.

Wir wollen jedoch auch einen verdienten Bürger von Rhoden nicht vergessen, der ebenfalls hier auf dem Friedhof von Alt-Rhoden seine letzte Ruhestätte gefunden hat, es ist Herr Gärtnermeister Johannes Görg .

Johnannes Görg wurde am 21.3.1881 geboren und starb im Alter von 84 Jahren (17.5.1965). Er war von 1927 bis 1939 Vorsitzender des Verkehrsvereins somit 12 Jahre ehrenamtlich tätig im Dienste der Allgemeinheit.

Unter seiner Regie wurden Vorträge, Schulungen über Obstanbau, Veredlungen und ähnlichem durchgeführt.
Görg verstand es, den Verein im Sinne der Satzung weiter voranzubringen.

Unter Johannes Görg wurde im Jahr 1928 das 30. Jubiläum des Verschönerungsvereins erfolgreich gefeiert mit Theateraufführungen und öffentl. Auftritten.

Die Kinder des Verstorbenen Johannes Görg berichten, daß neben der Führung des Familienbetriebes „Gärtnerei Görg“ Schulungen, Vorträge und Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt wurden, u. a. habe er an der Berufsschule in Korbach unterrichtet in Pflanzenkunde, Gemüse- und Obstanbau. Görg war Mitgründer der gärtnerischen Berufsgenossenschaft führte einen anerkannten Ausbildungsbetrieb und hat viele Lehrlinge in seinem Betrieb ausgebildet.

Eine Photoaufnahme zeigt Johannes Görg bei einem Pflegeschnitt seiner Obstbäume. Die Birkenallee nördl. der Laubach zur Wethener Straße wurde auf seine Initiative hin gepflanzt, ebenfalls die Buschhecken um Alt-Rhoden. Johannes Görg hat dem Verkehrs und Verschönerungsverein 12 Jahre vorbildlich vorgestanden.

Die Tätigkeiten des Schriftführers
Chrtistian Klaus (*24.10.1892 + 11.03.1965) der von 1929 bis 1956 die Protokollbücher führte, sollte nicht unerwähnt bleiben. Malermeister Chr. Klaus half, das Wanderwegenetz Rhodens mit auszubauen , stellte an landschaftlich reizvollen Stellen Ruhebänke auf und bewaffnete sich mit Farbe und Pinsel, um die Bänke in Ordnung zu halten.

27 Jahre Vorstandsarbeiten als Schriftführer werden nur noch überboten von Herrn Fritz Ristein, der auf 33 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit zurücklicken kann.

Während des 2. Weltkrieges kam as Vereinsgeschehen völlig zum Erliegen.

Wir wollen heute an dieser Stelle aller Verstorbenen Mitglieder gedenken, die sich in irgendeiner Weise um das Vereinsgeschehen verdient gemacht haben.

Es bleibt zu hoffen, daß der Verein die Kraft hat, das nächste Jahrtausend zu erleben.

Ich möchte mit einem Zitat des Freiherrn von Stein enden:

„Teilnahme an den Angelegenheiten des Ganzen ist der sicherste Weg zur Vollendung der geistigen und sittlichen Entwicklung eines Volkes“.





Rhoden, den 22. November 1998


(gez. Schäfer)
Geschäftsführer